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Thank you for Smoking


Originaltitel:Thank you for Smoking
Genre:Komödie
Release-Datum:31. August 2006
Regisseur:Jason Reitman
Schauspieler:Aaron Eckhart (N. Naylor), Maria Bello (P. Bailey), Robert Duvall (Captain)
Für Reiche:DVD - Buch - Soundtrack
Autor:Stephan
Rating: 9 von 10 Punkten!


Kurzkritik:Arbeitsalltag eines PR-Lobbyisten für die Tabakindustrie! D.h. konkret: Stetiges Pendeln zwischen krebskranken Jungen, neugierigen Journalisten, der eigenen gescheiterten Ehe und gegen die Zigarette (aber für Käse) eintretenden Senatoren!
Satiren sind im Schnitt einfach die besten Filme - dieser beweißt es einmal mehr. Zynisch, sarkastisch, ironisch - einfach genial. Die eigentliche Story ist etwas schwach, aber es gibt vermutlich kaum einen zweiten Film, der mit dermaßen viel hintergründigem (tabak-schwarzem) Humor aufwarten kann. Unbedingt ansehen!

Tagline:Nick Naylor doesn't hide the truth...he filters it.

Inhalt:Nick Naylor arbeitet als Lobbyist für die Tabakindustrie, d.h. er überzeugt die aus irgendwelchen Gründen anfangs leider stets gegen das Rauchen eingestellte Öffentlichkeit in Talkshows, dass es niemanden gäbe, dem das Schicksal eines an Lungenkrebs erkrankten Jungen mehr Schaden zufüge und stärker zu Herzen ginge, als der Tabakindustrie selbst. Schließlich würde diese beim Tod des Jungen einen guten Kunden verlieren. Solche PR scheint anzukommen in Amerika, bringt jedoch den liberalen Senator Finistirre jedes Mal an den Rand des Wahnsinns. Dieser hat sich dem Kampf gegen die Tabakkonzerne verschrieben und will, dass demnächst jede Zigarettenschachtel in den USA mit einem abschreckenden Totenkopfsymbol bedruckt wird. Etwas, das Naylor unbedingt verhindern muss – während er in einer kleinen Affäre nebenbei auch noch eine Nachwuchsjournalistin befriedigen muss und darüber hinaus für seinen Sohn ein besserer Vater sein will als bisher. Da er aber nicht nur „moralisch flexibel“ ist, stellt das Ganze selbstverständlich kein Problem dar…

Kritik:Dass es sich bei „Thank you for smoking“ um einen zumindest ansatzweise „intellektuellen“ Film handelt (wie immer man das auch definieren mag), sieht man schon daran, dass niemand den englischen Titel ins Deutsche übersetzt hat. Normalerweise werden ja sonst sogar selbsterklärende Sachen wie You, Me and Dupree (bestehend aus drei Kindergarten-Vokabeln und einem Eigennamen) zu Ich, Du und der Andere verwurstet oder aber (wie z.B. bei Guess who – Meine Tochter kriegst du nicht) zumindest noch ein – mit obligatorischer Erläuterung an den englischen Originaltitel angehangen. „Thank you for smoking“ – oder, wie es heutzutage auf internetisch wahrscheinlich korrekt heißen müsste „thx 4 smokin’“ – hat so was jedoch nicht nötig, denn auch wenn wahrlich intellektuelle Filme sicherlich anders aussehen: Neben Stay und noch knapp vor den beiden Musicals Reefer Madness und The Producers ist „Thank you for smoking“ bislang definitiv einer der allerbesten Filme des Kinojahres 2006.

Dementsprechend enttäuscht war Yvonne, dass sie letzten Dienstag leider arbeiten musste, folglich Martin, Pablo, Etienne und mich nicht auf unserem Männerabend begleiten konnte und wir sie jetzt wieder damit aufziehen können, dass sie zwar die mit Abstand meisten Filme sieht – aber nicht die besten. Quantität statt Qualität eben. Aber auch das sind nur die aus dem Neid geborenen Sprüche eines in punkto Kinobesuche pro Jahr wieder Geschlagenen, also mach dir nichts daraus, Yvonne! Zumindest hättest du wahrscheinlich das sehr dominante Gesprächsthema „Poker(Abend)“ um etwas schöngeistigere Dinge ergänzt.

Schöngeistige Dinge waren dann aber auch im eigentlichen Film nicht mehr angesagt, stattdessen ging es um knallharte Satire auf PR-Arbeit im allgemeinem und die der Tabakindustrie im Speziellen. Das Resultat: Der sarkastischste, ironischste und zynischste Film seit langem. In dem eben nicht dauernd auf die Zigarettenindustrie eingeschlagen, sondern sie in Form des Hauptcharakters im Gegenteil als sympathisch, stetig überlegen und für Hollywood natürlich auch noch mal ein ganzen Stück überhöht dargestellt wird, lassen sich Haltungen, Ziele und Geschäftstricks viel deutlicher enttarnen, als es in der 200. Dokumentation zum Thema der Fall wäre. Großartiger Nebeneffekt: Das ganze macht einen Riesenspaß!

Dies liegt nicht an der etwas einfallslosen, an Höhepunkten eher armen Story, sondern an den vielen kleinen Randepisoden, beispielsweise über das aus PR-Arbeiten der Tabak-, Alkohol- und Waffenindustrie bestehende TAG-Team, welches vermutlich mehr Tote zu verantworten hat als die US-amerikanische Armee. Tödlich, aber gut halt. Größtes Plus von „Thank you for smoking“ sind dementsprechend auch die Dialoge. Nicht gerade die, welche die eigentliche Geschichte vorantreiben, sondern die kleinen Randepisoden, beispielsweise zwischen Nick und dem Filmindustriellen Jeff Megall:

Jeff Megall: “Sony has a futuristic sci-fi movie they're looking to make.”
Nick Naylor: “Cigarettes in space?”
Jeff Megall: “It's the final frontier, Nick.”
Nick Naylor: “But wouldn't they blow up in an all oxygen environment?”
Jeff Megall: “Probably. But it's an easy fix. One line of dialogue. 'Thank God we invented the... you know, whatever device.'“


Gerade uns häufige Kinogänger freut es natürlich immer besonders, neue Aspekte darüber zu erfahren, wie Filme eigentlich entstehen. Für mehr lustige Wortwechsel lohnt wie immer ein Blick in die IMDB-Datenbank.

Schlussendlich sind wir alle vier (ja, sogar Pablo!) mehr als zufrieden wieder aus „Thank you for smoking“ herausgegangen und haben uns auf den abenteuerlichen Heimweg durch den Kölner Mediapark zu unserem Parkhaus gemacht. Da wir alle Nichtraucher sind, ist uns durch den Film leider auch bewusst geworden, dass unser Risiko an Parkinson zu erkranken deutlich erhöht ist – insbesondere Etienne sollte sich tatsächlich daraufhin mal checken lassen. Ihr glaubt gar nicht, wie viel Zeit man zwischen der Fahrer- und der Kofferraumtür eines Twingo verbringen kann, wenn man stetig Parkticket oder Autoschlüssel vergisst. Aber sehen wir's positiv: Dadurch, dass er nicht raucht, hat Etienne zumindest mehr Zeit, seine Vergesslichkeit zu genießen!